Yoga Denken Ruhe

Statt 80 Gedanken 60 Gedanken

Der Psychologe Andreas Knuf berichtet in seinem Buch “Ruhe da oben” von einem angeblichen Experiment im Schlaflabor (Ruhe da oben!: Der Weg zu einem gelassenen Geist, Andreas Knuf, Arbor-Verlag 2010). Es wurden demjenigen 10 000 € versprochen, der als erster einschlafen würde. Jeder kann sich jetzt denken, dass keiner der Teilnehmer in den Schlaf gefunden hat.
Zu viel Denken oder das Denken nicht abschalten können kann ein großes Problem darstellen. Selvarajan Yesudian, dessen Schüler Rudolf Fuchs in Stuttgart seit Jahrzehnten Yoga unterrichtet, hatte schon vor vielen Jahren gesagt: Wenn es uns gelingt, statt 80 Gedanken in der Minute nur noch 60 Gedanken zu denken, um später das vielleicht auf 40 Gedanken pro Minute weiter zu reduzieren, dann haben wir schon einen großen Schritt in Richtung Ruhe und Konzentration getan.
Das hat nichts mit weniger Gedankenkraft zu tun, sondern im Gegenteil: Der einzelne Gedanke wird besser sichtbar und die Konzentration ist erhöht.

Mentales Geschehen und vegetative Steuerung und damit auch körperliche Vorgänge wie Stoffwechsel und Hormonausschüttung hängen nach wissenschaftlicher Erkenntnis miteinander zusammen. Inwieweit Psyche und Soma (=Leib, Körper) sich dann gegenseitig beeinflussen, auch bei verschiedenen körperlichen Problemen, dazu gibt es dann in Ost und West unterschiedliche Antworten. Da darf man sicher auch auf zukünftige Forschungsergenisse noch gespannt sein.

Yoga scheint aber eine Möglichkeit zu sein, das mentale Geschehen mehr in Richtung Entspannung zu lenken und dadurch auch zu mehr Konzentration zu führen. Dabei sind die Yogins Indiens nicht der Meinung, dass ihre Erkenntnisse naturwissenschaftlichen Erkenntnissen grundsätzlich widersprechen. Und auch so jemand wie Selvarajan Yesudian nahm schulmedizinische Hilfe bei Bedarf gern in Anspruch. Es blieb ihm trotzdem ein Anliegen, auch die Erkenntnisse der alten Yogins mit der gebührenden Wertschätzung zu betrachten. Und was Beruhigung und innere Ruhe angeht, haben uns diese Yogins vielleicht einiges an Erfahrung voraus.

Ihre Aussage ist: Um die äußere Welt zu verstehen und zu beherrschen braucht es äußere Mittel. Dafür stehen die Naturwissenschaften. Um so etwas wie “Denken” und Gedankenruhe zu verstehen, könnte es auch hilfreich sein, “innere Mittel” anzuwenden: Nach innen gerichtete Körperhaltungen einnehmen, sich auf Atemübungen einlassen und Meditation.