Placebo und Nocebo

Mein Yogalehrer Rudolf Fuchs, immer noch aktiv in Stuttgart, bezeichnete neulich mir gegenüber seinen Yoga und seine Yogaschule als Sprech- und Sprachschule mit Körperbeteiligung und heilkundlicher Ausrichtung. Der Hintergrund einer solchen Benennung ist die große Bedeutung, die die Yogins der Sprache und des in ihr schlummernden Potenzials beimessen.

Selvarajan Yesudian hat in dem von ihm weitergegebenen Übungsstil für alle Übungen Bekräftigungsformeln mitgegeben. In einer Zeit, in der der Yoga oft in Richtung  Sport, Wellness oder Gymnastik  abzudriften droht, ist es von grundlegender Bedeutung, eine solche Technik der

Ganesha: (Yoga -) Gott des Anfangs
Ganesha: (Yoga-) Gott des Anfangs

Selbstbekräftigung, mit aller gebotenen Vorsicht und Zurückhaltung und immer unter Anleitung, weiter zu verfolgen. Es ist eine sehr alte Übungstechnik, die hinter dieser Methode steht. Auch wenn es ungewohnt für uns ist, zu uns selbst zu sprechen. Auch wenn es noch ungewohnter ist, das Sprechen in formelhafte Wendungen anzuwenden. Die Mantra-Rezitation der alten Inder oder ihre alte Samkalpa-Technik bilden das uralte Fundament für das Sprechen formelhafter Bekräftigungen im Anschluss an eine Übung.

Yesudian selbst hatte auf die Frage, warum er eine solche Technik in seinen Übungsstunden eingebaut habe meinem früheren Partner Christian Fuchs geantwortet:  Die Menschen in Europa seien so wenig freundlich gegenüber sich selbst. Das habe er ändern wollen.

Der Umgang mit inneren Bildern, mit Ideen und Vorstellungen, mit Begriffen oder ganz einfach ausgedrückt: mit Worten, übertrifft gelegentlich jede körperliche Kraftanstrengung. Man sollte vorsichtig im Umgang mit einem solchen Thema sein. Aber vielleicht lesen Sie unter diesem Gesichtspunkt einmal die verlinkten Artikel zum Thema Nocebo und Placebo. In ihnen wird deutlich, wie sehr sich auch der moderne Mensch von inneren Bildern, Ideen und Vorstellungen leiten lässt.
Es kann also durchaus Sinn machen, die eigentliche Arbeit im Yoga irgendwann nicht mehr allzu sehr im Bereich der Asanas, der Körperhaltungen, anzusiedeln.

Dennoch werden die Asanas und ihre Anbindung an die Atembeobachtung vorläufig und für die nächsten Jahrzehnte für meinen Yoga weiterhin die Basisarbeit leisten. Der Übungsstil Yesudian mit seinen Bekräftigungsformeln und dem Umgang mit inneren Bildern werden aber immer auch schon in eine weiterführende Richtung zeigen. Denn Yoga wird nie bei der Körperarbeit aufhören.

Interessante Links zum Thema:

Link zum Thema “Kraftorte” bzw. “Alpenschamanismus”

“Vodoo” aus Tagespiegel/Wissen

“Das falsche Signal” aus SZ Magazin

“Die Wissenschaft des Vodoo-Fluchs” aus Grenzwissenschaften aktuell

Das Bild zeigt Ganesha, den Überwinder aller Hindernisse