Bhunamasana – Erde innen und außen

Bhunamasana – Haltung zur Erde

Bhunamasana – die Haltung zur Erde – ist eine sehr bekannte und viel geübte Asana. Man kann sie auch als klassisch bezeichnen. Weniger (deshalb), weil sie vielleicht schon lange geübt wird. Eher deshalb, weil sie angeblich in der menschlichen Natur ganz unabhängig vom Yoga als Grundmuster zur Erschließung der Erdenergie in uns angelegt sei. Ob diese Haltung daher erst seit 700 Jahren geübt wird oder seit 5000 Jahren, spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Bhunamasana ist im Menschen angelegt als mögliche Übung, so wie jeder Mensch im Grunde schwimmen, schreiben oder lesen lernen kann.

Dass wir die eine oder andere der Grundfertigkeiten besser beherrschen, spielt dabei keine Rolle. Das bleibt aus Yogasicht immer offen für  weitere Entwicklungen.

Geübt wird Bhunamasana sicher oft auch wegen der ihr nachgesagten gymnastischen und physiologischen Wirkung. Aus Yogasicht führt die eigentliche Motivation für diese Übung mehr in die Tiefe. Es geht es in der Übung darum, die Energie Erde in sich zu entdecken.

Bhu – Erde, Welt, Basis, Grundlage

Bhu, bei W. Huchzermeyer im Yogalexikon mit “Erde, Welt, Basis oder Grundlage” übersetzt, ist für den Yogin in erster Linie eine innere existenzielle Realität, die  als entsprechende Energie erlebt werden könne. Erst in zweiter Linie wäre Erde eine äußere materielle, sinnlich wahrnehmbare Erscheinung. Bhunamasana ist die Haltung, sich ganz auf Bhu einzulassen und vor allem auch über das unterste Cakra, muladhara, wahrzunehmen. Muladhara befände sich etwas unterhalb des tiefsten Punkts der Wirbelsäule, also schon außerhalb des grobstofflichen Körpers. In Muladhara sahen die alten Inder die angestammte Heimat von Ruhe, Geduld, Ausdauer und Beharrlichkeit. Das Muladhara-Cakra hätte die Unerschütterlichkeit eines gewaltigen Berges.

Meditative Ausrichtung

Gymnastische und turnerische Beweglichkeit wären weniger Wegbereiter des Erlebnisses “bhu”, sie wären mehr eine Folge der Wendung nach innen. Der Ansatz in Bhunamasana ist also kein sportlicher, sondern, wie eigentlich immer, ein meditativer. Die Aufmerksamkeit richtet sich nach innen. Nicht der Körper steht im Vordergrund, sondern die Überschreitung des Körperlichen. Yoga übt die Anbindung nach innen. Der Körper wird als willkommenes und altbewährtes Werkzeug angesehen und soweit wie möglich gesund erhalten und gepflegt. Aber er bleibt dabei immer ein Mittel zum Zweck.